<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/0_intro-quotes.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> //''Droste'': (…) meine alte Billa (…). //''Dorothy'': (…) my dear friend (…). //''Droste'': Alte Billa, weißt Du, wie lange wir uns schon lieb haben? Im Herbste werden es achtzehn Jahre (…), noch fünfundzwanzig dazu, bis zur goldnen Hochzeit (…). //''Dorothy'': Oh! how I long to burst into your parlour, how I long to embrace you yet once again (…). //''Droste'': Wie es mir geht? Jetzt schon gut; ich habe mich wieder ins Klima eingeübt, qualifiziere mich täglich mehr zur Schnelläuferin, gehe ganz bequem in einem Tage nach Hülshoff oder Münster und zurück und setze alle außer Atem, die Schritt mit mir halten müssen. //''Dorothy'': A very wet cold morning after rainy night – I have had much pain; but am now (…) pretty well – The Sun breaks out but however fine the afternoon might become I must not venture – //''Droste'': (…) wissen Sie denn nicht, daß ich oft krank bin, und dabei faul, wie ein invalider Mops? //''Dorothy'': Friday – very cold & bright walked 20 minutes on Terrace. (…) Wrote letters for abroad & walked whenever weather permitted. //''Droste'': Ich kann z. B. gar nicht gehn, nicht zweymahl unsern kleinen Garten entlang, ohne daß mir das Blut dermaßen zu Kopfe steigt, daß ich zu ersticken meine (…). //''Dorothy'': Charming rain, but it suits not me – I could not go out for damp.(…) I am strangely weakened, and the writing of a letter tires me more than any thing. //''Droste'': Jetzt ist es fast ein Jahr, daß ich meine Spiegeley nicht anders verlasse, als um bis zur grünen Bank auf dem Hofe zu schleichen. Mein Gehen ist so gut wie gar nichts mehr. Schreiben bringt mich nach wenigen Zeilen einer Ohnmacht nahe. //''Dorothy'': Walked to Stowey with Coleridge, returned by Woodlands; a very warm day. In the continued singing of birds distinguished the notes of a blackbird or thrush. The sea overshadowed by a thick dark mist, the land in sunshine. The sheltered oaks and beeches still retaining their brown leaves. Observed some trees putting out red shoots. Query: What trees are they? [[Weiter auf diesem Pfad.->Droste and Dorothy]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/0-_-meet-droste-and-dorothy_-deutsch.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Was hätten sich die englische Dichterin Dorothy Wordsworth und die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zu sagen gehabt? Vermutlich recht viel. Beide waren Autorinnen, die am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert in Europa lebten, in einer Zeit also, in der es Frauen sehr schwer gemacht wurde, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Sie schrieben in unterschiedlichen Sprachen, an unterschiedlichen Orten, und sie sind einander nie begegnet. Vermutlich wussten sie nicht einmal vom Leben und Werk der jeweils anderen. Dennoch gibt es überraschende Ähnlichkeiten in ihren Biografien. Hätte es damals schon das Internet gegeben, wären sie vielleicht Freundinnen geworden. Schließlich waren beide Frauen mit ungewöhnlichen, in den Augen ihrer Zeitgenoss:innen verqueren, womöglich sogar queeren Lebensentwürfen. Sie teilten eine Begeisterung für die Natur und lange Spaziergänge, und sie lebten mit chronischen Krankheiten, was bedeutete, dass sie teils wochen- und monatelang nicht das Haus verlassen konnten. Wie sah ihr Alltag aus? Was haben sie gedacht und gefühlt? Wie haben sie die Welt gesehen – und gehört? Aus ihren Briefen, Tagebüchern und Gedichten sprechen sie noch über hundert Jahre nach ihrem Tod zu uns – und zueinander. Um mehr über sie herauszufinden, laden wir dich ein, mit uns mitzukommen auf einen Erkundungsgang, eine Spurensuche – in ihren Texten und auf ihren Wegen. [[Droste kennenlernen.->Meet Droste.]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/0-_-meet-droste_-deutsch.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Name'': Annette von Droste-Hülshoff ''Geboren am'': 12. Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster in Westfalen, Deutschland ''Hauptwohnsitz'': Rüschhaus bei Münster in Westfalen; Meersburg am Bodensee ''Beruf'': Dichterin, Komponistin, Freifräulein ''Berühmt für'': akkurate Flechtfrisur, gruselige Gedichte wie „Der Knabe im Moor“, „männlichen“ Schreibstil ''Hobbies'': bei Wind und Wetter spazieren gehen, Fossilien sammeln, Migräne ''Familienstand'': ledig, bei ihrer Schwester und deren Familie lebend ''Sexuelle Orientierung'': keine Angaben ''Besondere Merkmale'': leicht vorstehende Augen, Kurzsichtigkeit ''Drei Gedichte von mir, die sich mit Krankheit beschäftigen'': * Der kranke Aar * Die ächzende Kreatur * Durchwachte Nacht ''So fühle ich mich heute'': Ohr, Zahn, Gesichtsschmerz – ich möchte mich zuweilen, wie jener Halbgeköpfte (Kindermärchen von Grimm), bey den Haaren nehmen und mein weises Haupt in den Fischteich unter meinem Fenster werfen, wo es ihm wenigstens kühl werden würde. [[Dorothy kennen lernen.->Meet Dorothy.]] [[Ein Gedicht von Droste lesen.->Restlessness]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/0-_-meet-dorothy_-deutsch.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Name'': Dorothy Wordsworth ''Geboren am'': 25. December 1771 in Cockermouth, Cumberland, England ''Hauptwohnsitz'': Grasmere und Rydal, im Lake District, England ''Beruf'': Tagebuchschreiberin, Dichterin, Naturgefährtin ''Berühmt für'': Tagebuch schreiben, weite Entfernungen laufen, als erste Frau darüber geschrieben zu haben, Scafell zu besteigen, die „vortreffliche Schwester“ von William Wordsworth zu sein, literarische Kollaboration ''Hobbies'': lesen, spazieren gehen, in Graben liegen und den Himmel angucken ''Familienstand'': ledig, bei ihrem Bruder und dessen Familie lebend ''Sexuelle Orientierung'': keine Angaben ''Besondere Merkmale'': ihr Geschmack ein perfekter Elektrometer, wilde und erschreckende Augen, inbrüstige Art, körperlich bedingt tiefe Empfindsamkeit ''Drei Gedichte von mir, die sich mit Krankheit beschäftigen'': * Gedanken auf meinem Krankenbett * An Thomas Carr, meinen ärztlichen Betreuer * Zeilen niedergeschrieben (oder vielmehr angefangen) am Vormittag von Sonntag, dem 6. April, der dritte Frühlings seit Beginn meiner Krankheit. Es war ein Vormittag von überragender Schönheit. ''So fühle ich mich heute'': Keine Gefangene bin ich auf dieser Couch / Mein Geist ist frei zu wandern [[Weiter auf diesem Pfad.->Restlessness]] [[Ein Gedicht von Dorothy lesen.->Thoughts on my sickbed]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/5-_-droste_unruhe.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Unruhe'' //von Annette von Droste-Hülshoff// Ich will hier ein wenig ruhn am Strande. Sonnenstrahlen spielen auf dem Meere. Seh‘ ich doch der Wimpel weiße Heere. Viele Schiffe ziehn zum fernen Lande. Oh, ich möchte wie ein Vogel fliehen! Mit den hellen Wimpeln möcht ich ziehen! Weit, o weit, wo noch kein Fußtritt schallte, Keines Menschen Stimme wiederhallte, Noch kein Schiff durchschnitt die flüchtige Bahn! Und noch weiter, endlos, ewig neu Mich durch fremde Schöpfungen, voll Lust, Hinzuschwingen fessellos und frei! Oh, das pocht, das glüht in meiner Brust! Rastlos treibts mich um im engen Leben. Freiheit heißt der Seele banges Streben, Und im Busen tönts Unendlichkeit! Fesseln will man mich am eignen Herde! Meine Sehnsucht nennt man Wahn und Traum. Und mein Herz, dies kleine Klümpchen Erde, Hat doch für die ganze Schöpfung Raum! Doch stille, still, mein töricht Herz! Willst vergebens du dich sehnen? Aus lauter Vergeblichkeit hadernde Tränen Ewig vergießen in fruchtlosem Schmerz? Sei ruhig, Herz, und lerne dich bescheiden. So will ich heim vom feuchten Strande kehren. Hier zu weilen, tut nicht wohl. Meine Träume drücken schwer mich nieder. Und die alte Unruh kehret wieder. Ich muß heim vom feuchten Strande kehren. Wandrer auf den Wogen, fahret wohl! Fesseln will man uns am eignen Herde! Unsre Sehnsucht nennt man Wahn und Traum Und das Herz, dies kleine Klümpchen Erde Hat doch für die ganze Schöpfung Raum! [[Weiter auf diesem Pfad.->Restlessness prompt]] [[Von Unruhe angesteckt? Spazieren gehen.->Lines written (rather say begun) on the afternoon of Wednesday 21st August]] [[Ein weiterer Text über eine Fantasiereise.->Lines written on 24th September]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/7-_-de_wordsworth_ausflug-zum-scaw-fell-pike.mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Ausflug zum Scawfell Pike'' //von Dorothy Wordsworth, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu// Wir sahen den Gipfel des Scaw Fell vor uns, es schien, als wären wir ihm ganz nah: Tatsächlich waren wir drei Viertel des Wegs den Berg hinaufgestiegen und fest entschlossen, den Gipfel zu erreichen. Die Entfernung, so mussten wir feststellen, war größer, als sie uns erschienen war; doch wir blieben weiter frohen Mutes (…). Auf dem Gipfel des Berges war es windstill, nicht ein Lufthauch bewegte die Papiertücher, auf denen wir unser Essen ausgebreitet hatten. Dort, in der sommerlichen Wärme, aßen wir zu Abend; und die Stille schien nicht von dieser Welt zu sein. – Wir hielten inne, schweigend, um zu lauschen, und nicht ein Laut war zu hören. – Wir befanden uns weit über den Wasserfällen des Scaw Fell und in der Luft summte kein einziges Insekt. (…) Wie wir uns nach dem Abendessen umschauten, riet unser Bergführer uns, nicht zu lange zu verweilen: Ein Unwetter ziehe auf. Wir blickten uns um, suchten nach Anzeichen, die seine Ankunft ankündigen würden, doch vergeblich. Denn die Berge, Täler und das Meer waren alle erleuchtet vom klaren Licht der Sonne. „Dort ist es“, sagte er und deutete auf das Meer jenseits von Whitehaven; und tatsächlich sahen wir dort eine zarte Wolke, oder einen Nebel, wahrnehmbar nur von einem Hirten, der mit der Beobachtung der Berge vertraut ist. Erneut blickten wir uns um, und dann wieder, aus Angst, die Erinnerung an das zu verlieren, was in dieser luftigen Einsamkeit vor uns lag; und dann machten wir uns zum Aufbruch bereit. Die warme Luft verwandelte sich derweil in kalte und wir konnten sehen, wie der zarte Nebel sich ausbreitete und zu einer mächtigen Wolkenmasse anschwoll, die sich über den Bergen zusammenbraute. Der Great Gavel, der Helvellyn und der Skiddaw waren in Sturm gehüllt; doch Langdale und die angrenzenden Berge lagen weiter in strahlendem Sonnenschein. Schon bald erreichte uns das Unwetter; wir suchten unter einem Felsvorsprung Schutz; und beinahe so schnell, wie es gekommen war, verging es wieder, was uns erlaubte, das Sturmtreiben – dieses Wechselspiel aus Sonne und Wind – in den angrenzenden Regionen zu beobachten. (…) Wir bogen am Rand von Ruddle Gill ab, einer sehr tiefen roten Schlucht in den Bergen. Sie beginnt an einer Quelle – diese Quelle bildet schließlich einen Bach, der bisweilen ein mächtiger Strom sein muss, was an dem Flussbett ersichtlich wird, das er sich dort entlang des Sprinkling Tarn zum Stye Head gegraben hat; und dort setzten wir uns und blickten auf Wasdale hinab. Wir befanden uns nun auf dem Great Gavel, der hoch über uns emporragte. Uns gegenüber lag der Scaw Fell und wir hörten das Tosen des Baches aus einer seiner Bergkluften, in die wir, obwohl die Biegung von Wasdale Head zwischen //uns// und dem Scaw Fell lag, gleichsam hineinschauen konnten; und die Kluft schien von einer gewaltigen Tiefe zu sein; sie war ganz schwarz und die Felsen furchterregend. Wir fuhren dann heimwärts, am Stye Head Tarn vorbei, auf der Straße nach Borrowdale. Noch bevor wir Seathwaite erreicht hatten, zeigten sich erste Sterne am Himmel und wir fuhren bei Mondschein in unserem Wagen nach Hause. Ich hätte den letzten Abschnitt unseres Aufstiegs zum Scaw Fell Pike beschreiben sollen. Dort sahen wir keinen einzigen Grashalm – kaum einmal Moos und wenn doch, dann war es verdorrt und braun; und wuchs auch nur spärlich zwischen den riesigen Felsen und Steinen, die den Gipfel bedeckten und weit und breit verteilt lagen, wie Skelette oder Knochen der Erde, unerwünscht bei der Schöpfung und dort abgelegt, um von ewigen Flechten bedeckt zu werden, die die Wolken und der Tau nähren; und mit den schönsten Farben und lebendigster, edelster Schönheit verzieren, endlos in ihrer Vielfalt. (…) Ich vergaß, dir zu schreiben, dass ich auf dem funkelnden Meer ein Schiff erspähte, als wir über Esk Dale blickten. „Ist es ein Schiff?“, gab der Bergführer zurück. „Ein Schiff! Ja, etwas anderes kann es nicht sein, sehen Sie nicht seine Form?“ Miss Barker warf ein: „Es ist ein Schiff, da bin ich mir sicher – unmöglich, dass ich irre, ich bin an ihren Anblick auf dem Meer so gewöhnt.“ Der Bergführer erwiderte nichts; doch nach nicht einmal einer Minute bemerkte er leise: „Nun sehen Sie sich einmal Ihr Schiff an, jetzt ist es ein Pferd.“ Und dem war tatsächlich so, ein Pferd mit edlem Hals und Kopf. Wir lachten herzhaft und ich hoffe –, sollte ich einmal wieder zu fest von etwas überzeugt sein – dass ich mich an das Schiff und das Pferd auf dem glitzernden Meer erinnere; und an die stille Selbstsicherheit und zugleich Nachgiebigkeit unseres weisen Mannes der Berge, der zweifellos mehr von //Wolken// verstand als wir, was immer wir über //Schiffe// wissen mögen. [[Weiter auf diesem Pfad.->Scawfell prompt]] [[Müde nach der Wanderung? Leg dich ins Gras.->As I lay down on the grass]] [[Einen Berg besteigen mit Annie.->Lines written on 26 September]] [[Noch ein Ausblick aus der Höhe mit Droste.->From the Tower]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/16-_-de_e-mail-from-nette.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> //von Anneke Lubkowitz// ''From'': dienette@rurallife.de ''To'': dorothyfromthelakes@gmail.com ''Betreff'': Wessen Geschichte ist es? Meine liebe Dorothy, fortdauernde Gesichtsschmerzen haben es mir in den letzten Wochen unmöglich gemacht, dir auch nur eine einzige Zeile zu schreiben. Erneut zu Untätigkeit verdammt, hatte ich unterdessen mehr als genug Zeit, mich mit dem alten Reiseblog eines gewissen, dir wohlbekannten „William from the Lakes“ zu beschäftigen, auf den ich zufällig nach Jahren wieder gestoßen war. Seitdem hat sich mein Zustand noch verschlechtert, denn kein Leiden ist ein fatalerer Begleiter am Krankenbett als das Reisefieber. So habe ich die Heimat von dir und deinem lieben Bruder von Ost nach West und von Nord nach Süd durchquert und jeden versteckten Winkel kennengelernt, ohne auch nur einen Fuß vor die eigene Tür zu setzen. Und da ich nun schon vom Blog deines Bruders spreche, kann ich gleich hinzufügen, dass mir ein wundersamer Verdacht gekommen ist. Mit besonderer Spannung las ich den Eintrag über die Besteigung des Scafell Pike. Alles an dieser Welt fernab des Irdischen sprach zu mir, die Stille, die Einsamkeit, die sich wandelnde Lichtstimmung. Fast vergaß ich beim Lesen und Betrachten der Bilder, dass es sich gar nicht um meine eigenen Erinnerungen handelte. Denn etwas an dieser unbekannten Welt war mir zugleich sehr vertraut. Was war es nur? Es war, meine wortgewandte, wortkarge Freundin, die Art und Weise, wie die Berge, die Menschen, das Licht beschrieben wurden. Es war eine Landschaft, wie nur du sie siehst. Ich konnte deine Stimme so klar erkennen wie in jeder Nachricht und jedem Gedicht, die du teilst. Was um Himmels willen sagt man nun dazu? Wie du weißt, plagt mich, seit ich denken kann, womöglich sogar schon länger, eine Sehnsucht nach den Bergen, die mich so manchen Alpengipfel heroisch bezwingen ließ – bequem von meinem Kanapee im Rüschhaus aus, versteht sich, mit einem Buch auf dem Schoß und den Füßen in dicken Pantoffeln, oder allenthalben, wenn ich meine Schwester am Bodensee besuche, – gar todesmutig – mit einem Fernrohr von einer Bank oder meinem Balkon aus. In meiner frühen Jugend widmete ich den Alpen sogar meinen ersten, nennen wir es Versuch, ein Trauerspiel zu verfassen, über ein junges Mädchen, das, wie ihre Umgebung meint, mit ihren Ambitionen zu hoch hinaus will. Und mit meinem ersten für die Öffentlichkeit bestimmten Gedicht „Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard“, dessen Handlung ich ebenfalls in den Alpen ansiedelte, habe ich mich selbst zu solch kühnen Höhen aufgeschwungen. Dafür musste ich freilich erst meinen in der Schweiz lebenden Schwager anflehen, mir bis ins Kleinste die klimatischen Bedingungen und die Flora und Fauna der alpinen Bergwelt auseinanderzusetzen. Ich wusste, dass man mir jede Ungenauigkeit als Beweis dafür ausgelegt hätte, dass Frauen keine „richtige“ Literatur hervorbringen können. Gleichzeitig hätte man mir niemals erlaubt, selbst auch nur einen Fuß auf einen derart hohen Berg zu setzen. „Aber deine Gesundheit –“, hat es in meinem Leben immer kurz vor dem Moment geheißen, in dem etwas Aufregendes hätte passieren können. Wozu das Schwadronieren von alten Zeiten, die lange Brühe? Meine liebe Freundin, ich glaube, wenn jemand ein Recht darauf hat, die Wahrheit über die Autorschaft der Geschichte über den Scafell Pike zu erfahren, dann wohl ich. Großzügig wie ich bin, bin ich durchaus bereit, dir deine Geheimniskrämerei zu verzeihen, wenn du mir alles, aber wirklich alles erzählst: Sag also, ist es wahr, dass du ganz allein, nur mit einer anderen Frau, dort oben auf dem Gipfel warst? Und erklär mir bitte – wenn der Eintrag wirklich von dir stammt, warum hat dein Bruder dann nicht deinen Namen darunter gesetzt und das Ganze Gastbeitrag genannt? Wollte er dem Eintrag womöglich zu einem besonders großen Publikum verhelfen und dachte, er würde mehr Gewicht haben aus der Hand eines bereits bekannten – Mannes? Oder wollte er sich gar mit fremden Federn schmücken – eine Boshaftigkeit, die ich ihm bei allem Hang zum Spazieren um das eigene Lichtstümpfchen – ein Schriftstellerfehler, der kleinen wie der großen – eigentlich nicht unterstellen möchte? Wie dem auch sei, es erscheint mir nicht recht, dass unter dem, was du als Erste erlebt und aufgeschrieben hast, nicht auch dein Name steht. Nimm mir mein Nachbohren nicht allzu übel und als Gegenpfand für dein wohlgehütetes Geheimnis einige Gedichte von mir, die nicht von Bergen und vom Klettern handeln, sondern vom flachen Land, von Mooren und Heiden und dem Liegen im Gras. Stets deine treue, geduldige und allzu neugierige Freundin Nette [[Dorothys Antwort lesen.->Email Dorothy to Droste]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/25-_-de-brief-an-droste-von-dw.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> //von Polly Atkin, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu// ''From'': DWOldPoetess@mac.com (weitergeleitet von dorothyfromthelakes@gmail.com) ''To'': dienette@rurallife.de Meine liebe Freundin, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel es mir bedeutet, [[deinen lieben Brief->Email Droste to Dorothy]] zu lesen und zu wissen, dass du in deiner Abgeschiedenheit von unserem großen Ausflug gelesen hast. Du hast recht: Ich bin mit einer anderen Frau, meiner Freundin Mary Barker, den Berg hinaufgestiegen. Sie ist Malerin und war ganz verzaubert vom Liebreiz der Felsen und Bäche und Berge von Borrowdale und ließ sich dort im Dorf Rosthwaite ein Haus bauen. Zu der Zeit lebte sie das ganze Jahr über allein in der moosigen Märchenlandschaft von Borrowdale. Und obwohl sie keine große Wanderin war, wurde sie doch zu einer begeisterten Besteigerin dieser Hügel. Als die Förderer meines Bruders, Sir George und Lady Beaumont, uns besuchten und mein alter Freund William Wilberforce und seine Frau gerade in Keswick verweilten, besuchten wir gemeinsam Mary zum Abendessen und da schlug sie mir vor, mit ihr auf den Scafell zu steigen. Den Rest weißt du natürlich von [[Williams Blog->Excursion up Scawfell Pike]]. Es ist interessant, dass du dich nach meiner Autorinnenschaft erkundigst und ich bin sehr gespannt, wie du meine Handschrift herausgelesen hast. Ich gab William die Erlaubnis, meinen Ausflugsbericht zu veröffentlichen, unter der Voraussetzung, dass er versprach, den Namen der Autorin und ihre Beziehung zu ihm nicht zu nennen. Ich hatte natürlich nie geplant, dass der Bericht veröffentlicht wird, sondern hatte ihn nur aufgeschrieben, um das Erlebnis mit Freunden und Freundinnen zu teilen. Ich habe schon früher oft gesagt, dass ich den Gedanken verabscheue, mich als Autorin zu etablieren. Ich habe das Schreiben immer viel zu sehr verehrt. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber vielleicht verstehst du, was ich meine. Es ist eine Mischung aus Schüchternheit, Angst vor Spott und etwas viel Schlimmerem – einem versteckten Stolz –, die mich all die Jahre davon abgehalten hat, auch nur eines meiner Werke unter meinem Namen zu veröffentlichen. Es ist zum Teil auch ein Grauen davor, in die Öffentlichkeit zu treten. Meine eigene Nichte erinnert mich gerne daran, dass meine Gedichte nie wirklich fließen – was würde ein Kritiker sagen? Ich habe gesehen, wie sehr meinem Bruder und unseren Freunden die Sticheleien der Kritiker – und tatsächlich auch die Poesie selbst – zusetzen. Wie die Arbeit daran meinen Bruder so oft verwundet, geschwächt und niedergeschlagen zurückgelassen hat. Mir geht es schon schlecht genug, ohne mich der undankbaren Arbeit einer Autorin auszusetzen. Und dann ist da noch dieses Gefühl der Einmischung! Denkst du nicht auch, dass heutzutage jede noch so kleine private Anekdote, die in jeglicher Weise mit irgendeiner bekannten Person in Verbindung steht, auf so erbärmliche Weise ausgenutzt wird? Nein, viral zu gehen ist wirklich das Letzte, was ich mir für mich wünsche. Viel besser ist es doch, eine unscharfe Gestalt zu bleiben und es den Leuten selbst zu überlassen, sich meine Person so zu denken, wie sie sie erwarten. Und doch, und doch – angesichts des langen Vergessens im Grab – wer wünscht sich da nicht, dass der eigene Name in Erinnerung bleibt, dass mit liebevollen und bewundernden Worten von einem gesprochen wird? Ich muss gestehen, dass ich in letzter Zeit zunehmend durcheinander bin, was meine Gefühle zu der Sache angeht. Meine liebe Freundin, verzeih mir diese verworrenen Gedanken. Ich habe Kopfschmerzen und auch mein Magen plagt mich wieder. Eine E-Mail zu schreiben, ermüdet mich mehr als alles andere auf der Welt. Diese hier habe ich – ich weiß nicht wann – begonnen. Hier regnet es seit einigen Tagen stark und die Berge scheinen sich in ihre Geheimverstecke zurückgezogen zu haben, dorthin, wo wir ihnen nicht folgen können. Doch der See ist spiegelglatt und in der herbstlichen Kälte steigt Dampf aus ihm auf, so dass die rostrot gekleideten Bäume nur halb in ihm reflektiert werden und halb vom Nebel verschleiert. Während ich schreibe, haben sich die Wolken etwas gelichtet und die Äste vor meinem Fenster sind mit dem schwachen Lichtschimmer der Sonne besetzt – ein Wunder, fast schon, nach so vielen dunklen Tagen – doch sie wird bald untergehen, und der Mond aufgehen. Ich habe deine Gedichte gelesen und es gibt mir solchen Trost zu wissen, dass auch du viele Stunden deines Lebens damit verbracht hast, Luftschlösser zu bauen. Einmal fragte ich meine liebste Kindheitsfreundin: „Baust auch du Luftschlösser“, und erzählte ihr von so vielen, die ich entworfen hatte, in denen wir zusammen wohnen könnten, doch meine Schlösser entsprachen nicht ihrem Sinn für Architektur. Und noch mehr versteckte Wünsche. Verzeih meine Schreibfehler. Ich schreibe im Bett auf dem Rücken liegend, doch selbst das ermüdet mich. Sicherlich scheint dir das alles langatmig & stumpf & völlig unsinnig, meine liebe Freundin. Doch ich hoffe, du siehst es mir nach und schreibst mir wieder. In Liebe (align:"==>")+(box:"=X")[DW] [[Weiter auf diesem Pfad.->In the Grass]] [[Dorothys Bericht über Scawfell Pike lesen.->Excursion up Scawfell Pike]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/2-_-droste_im-grase.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Im Grase'' //von Annette von Droste-Hülshoff// Süße Ruh’, süßer Taumel im Gras, Von des Krautes Arome umhaucht, Tiefe Flut, tief tief trunkne Flut, Wenn die Wolk’ am Azure verraucht, Wenn aufs müde, schwimmende Haupt Süßes Lachen gaukelt herab, Liebe Stimme säuselt und träuft Wie die Lindenblüt’ auf ein Grab. Wenn im Busen die Toten dann, Jede Leiche sich streckt und regt, Leise, leise den Odem zieht, Die geschloßne Wimper bewegt, Tote Lieb’, tote Lust, tote Zeit, All die Schätze, im Schutt verwühlt, Sich berühren mit schüchternem Klang Gleich den Glöckchen, vom Winde umspielt. Stunden, flüchtger ihr als der Kuß Eines Strahls auf den trauernden See, Als des ziehenden Vogels Lied, Das mir nieder perlt aus der Höh, Als des schillernden Käfers Blitz, Wenn den Sonnenpfad er durcheilt, Als der heiße Druck einer Hand, Die zum letzten Male verweilt. Dennoch, Himmel, immer mir nur Dieses Eine mir: für das Lied Jedes freien Vogels im Blau Eine Seele, die mit ihm zieht, Nur für jeden kärglichen Strahl Meinen farbig schillernden Saum, Jeder warmen Hand meinen Druck, Und für jedes Glück meinen Traum. [[Weiter auf diesem Pfad.->In the Grass prompt]] [[Ein Gedicht von Droste über weibliche Freundschaft und Nähe lesen.->My bouquet]] [[Ein Gedicht von Dorothy über weibliche Freundschaft und Nähe lesen.->Irregular Verses]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/22-_-de-_-im-grase-liegend.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Im Grase liegend beobachtete ich'' //von Polly Atkin, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu Nach Sylvia Plath, nach Edna St. Vincent Millay, nach Annette von Droste-Hülshoff, nach Dorothy Wordsworth, nach Anon// Das ganze Jahr schon sehne ich mich danach, mich niederzulegen, ins hohe Gras, hohes Gras in der Sonne, das seine grünen Schatten über meine brennende Haut wirft, dass Wollschweber und Schmetterlinge auf meinen klebrigen Gliedern dösen und Libellen meine Wimpern streifen und ich bin eine Pflanze unter Pflanzen. Das Gras ist hoch und voller Leben. Das Gras ist hoch und voller Tod. Zecken. Unkraut. Menschliches Leid. Der Rasenmäher, durch das Gerüst in den Schuppen gesperrt. Das ganze benommene Jahr lang bin ich gescheitert, im Stehen taumelnd, überreizt vom Wirbel der Welt, benommen von Vergänglichkeit, die in meinem Blut zu einer wirren Sehnsucht nach der Glückseligkeit wird, von der Du schriebst. Dem mutigen Innehalten. Euphorisch/fiebernd. Ich will meine Wirbelsäule am Boden, jede Zelle hinuntergreifend, meine Knochen, die sich auflösen in Moos und Löwenzahn, Selbstheil- und Scharbockskraut, zwischen der hohen Trockensteinmauer und dem kleinen Apfelbaum, verborgen vor menschlicher Rechtschaffenheit, die größte Fläche unseres Körpers, die den Körper der Erde berührt die Stimme der Luft berührt / die Stimme des Wassers in der Luft / die Stimme der Bäume in der Erde / die Stimme des Grases / die Stimme des Grases / die Stimme der ersten gelben Blätter, die fallen oh Freunde Vögel so nah ungesehen all die Toten in meiner Brust all die Toten lasst mich flehe ich mutig genug sein, mein Herz wachsam zu halten ich schließe meine Augen nicht für den Frieden ich schließe meine Augen nicht für den Frieden es gibt andere Wege, nützlich zu sein und doch will ich gern in diesem Gras liegen süßes Gras süßer Schwindel süße Fürsorge süßer Kuss des heißen trockenen Staubes ich würde mich in ihm wälzen folgen seinem strahlenden Licht (align:"==>")+(box:"X=")[Ich bin müde, so müde ] es ist doch schwer, vom Ruhen zu sprechen, des Reisens müde, und nicht das Ende zu meinen, vom Niederlegen und nicht endgültig zu meinen vom //grünen grünen Gras//, ohne //das über mir wächst// von Rasen ohne Grab von graben ohne begraben von Graben ohne Leiche von Erde ohne Tod süßes Wachstum süßes Wachsen süße tiefe tiefe Flut süßer müder, schwirrender Kopf Ich werde dich niederlegen und dich dem Himmel öffnen, den du liebst und wenn wir das alles mit den Sternen besprochen haben und das Strahlen des wandernden Weltraummülls, einen neuen Weg zeichnet, werde ich dich wieder aufrichten, dich weitertreiben lassen weiter in die Herrlichkeit dieser schimmernde Streif, halb-sichtbar durchs Laub, ist nicht die Grenze zwischen Hier und Danach sondern der See, tief genug, um all unsere Tränen zu halten und nicht überzulaufen, klar und beständig genug, um dich dir selbst zu zeigen, oberhalb und unterhalb des Spiegels, ein Fels unter Felsen ein Baum unter Bäumen. Ja leg dich nieder. So ist es dir lieber. Natürlicher. Leg dich nieder und dann schwimm weiter. [[Weiter auf diesem Pfad.->Lines written on 26 September]] [[Das Gedicht lesen, auf das Polly antwortet.->In the Grass]] [[Leg dich hin mit Dorothy.->Thoughts on my sickbed]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/18-_-de-_-annie-_-dorothys-edinburgh-walk.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Zeilen niedergeschrieben am 26. September, einem Tag, der als Winter beginnt und als Sommer endet, nachdem sich der launische Schlagregen am späten Nachmittag der Sonne beugt; die Fatigue wächst trotzdem, ich schaffe es nicht hinaus, aber zeichne den altvertrauten, ausgetretenen Weg in Gedanken nach.'' //von Annie Rutherford, übersetzt von Lale Diklitaş (Im Gespräch mit Eddie Morgan, Dorothy Wordsworth, James Hogg, Hannah Lavery, Bridget Khursheed, Valerie Gillies, Liz Lochhead)// Starte am Parlament: ein Boot, ein Baum, oder eine Distel, je nachdem, wie du die Augen zusammenkneifst.(align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[//Vergesst die Vergangenheit, nein, tut es nicht.//]] Vorbei am Palast, (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[//der mit seinen Schiebefenstern und perfekt ausgerichtet bedauerlicherweise nichts Antiquiertes an sich hat, //]] vorbei am Parkplatz, vorbei am Eiswagen, den perfekt gepflasterten Pfad entlang zum Teich, wo immer jemand die Schwäne füttert. (Und sich meine Schwester, zwei Jahre alt, verängstigt und dickköpfig, weigert, das Brot loszulassen.) (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[//Setze deinen Hut mit größter Vorsicht wieder auf, und geh leichten Herzens weiter.//]] Dann bieg rechts ab. Werde unvermeidlich von einem Laufenden überholt, der dich noch einmal überrunden wird, bevor du durch bist. (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[//Wie sie hinaufführen, führen unsere steilen Hügel auch hinab. Gib Acht!//]] Hinauf zum winzigen See, wo ich trotz aller Bemühungen noch nie Otter gesehen habe. (Falsche Jahreszeit für Entenküken: ‚Futter für die Otter! Futter für die Otter!‘) Dann wieder rechts, quer über die unvermittelt auftauchende Weide, grün und glatt und sanft hügelig. Keine Schafe. In einiger Entfernung vielleicht ein Dudelsackspieler, der vor die Tür gesetzt wurde. (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[//Und das Gesicht der Vulkane: Erwähnte ich den Arthur’s Seat mit seinem Bürstenhaarschnitt aus Touristen? //]] Und du bist fast da, bist noch kaum hochgeklettert, als der Weg unvermittelt steil und steinig wird, dann schroff, (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[//Gestein über Gestürm, erhebst du dich über dem Bergrücken: //]] und du klimmst hinauf, immer schon überzeugt, dass es eine bessere Route gibt als die, die du ausgewählt hast, aber jetzt bist du da, und der Wind weht scharf, die Sterne, die Aussicht. Es trifft dich jedes Mal (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[// und hier leben wir! //]]Mehr als die Straßen ist die Dachlandschaft dein Zuhause, die Brücken die Grenzen deiner Welt, blau und weit und dein, wann immer du willst. [[Weiter auf diesem Pfad.->The Way to Town End]] [[Lust auf einen weiteren Erkundungsgang? Mit Droste und Anneke spazieren gehen.->Written on the last day of July: part 1]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/23-_-de-_-the-way-to-town-end.mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Der Weg nach Town End'' //von Polly Atkin, übersetzt von Lale Diklitaş// Wir nehmen den alten Weg zum Stadtrand, jenen, den sie genommen hätte – die Post in der Hand oder mit leeren Händen zurückkehrend, bedrückt von der Nachricht fehlender Nachricht – den Hang hinauf, hinauf vom Fluss aus durch die Allmenden, der baumgesäumte Weg mit der niedrigen Steinmauer zur Linken, die bewaldeten Schieferfelsen zur Rechten, damals noch ohne Bäume, Sichtfeld klar auf die ganze Länge des Sees hinter dir hinunter, zu deiner Seite erhebt sich der Loughrigg, keine neonfarbenen Glühwürmchen, die an der Klippe hängen wie Solarleuchten, wir begnügen uns mit den Eulen, verborgen hinter Blättern, den halb erspähten Rehen, die mit den Zweigen verschmelzen. Ruh dich aus, wenn du willst, doch der Weg führt noch steil hinauf, vorbei an den gesprengten Steinbrüchen, wo einst ein Mädchen einem Mann ins Bein stach, ein anderer in den Tod gerissen wurde, und nun ein Pärchen und ein Hund in einem Van leben, solange sie können, das alte Lager längst verwüstet vom wilden wilden Wuchs der Einsamkeit, Vogelbeeren sprießen aus den dürftigen Schrebergärten der Arbeiter, Eichen aus den Betten der Reisepferde. Wir sind fast an der Schwelle, der Grenze, wo Rydal in Grasmere übergeht. Du wirst sie wiedererkennen. Das Wunschtor zur Linken, jener eine Baum rahmt sorgfältig den u-förmigen Pass von Dunmail Raise an diesem unerwarteten Horizont, der Löwe ruht am Gipfel des Helm Crag, das Lamm schläft auf seinen riesigen weichen Pfoten. Die Weite des Tals von Grasmere tritt in Erscheinung in theatralischer Überraschung, wie De Quincey einst schrieb. Halte einen Moment inne und lass es über dich hereinbrechen in Wellen, seine dunstige Ferne, seine blauen Hügel erinnernd. Tritt vor und du wirst den See erblicken, links unten, und das Dorf an dessen Ufer herankriechen sehen. Ignorier den Wald rechts. Gehst du jetzt hinein, wirst du in Wiederholung gefangen werden, niemals an deinem Ziel ankommen. Geh weiter, jetzt kannst du erkennen, worauf du zusteuerst. Erreichst du etwas wie eine Kreuzung, eine ehemalige Scheune und Farm mit Glasfront zu deiner Linken, geh weiter den Hügel hinab. Du bist fast da. Die Briefe glühen fast in deiner Tasche in ihrer Verheißung. Beschleunige am Abhang deinen Schritt, an der Straßenrinne hinunter, die hohen bemoosten Mauern fesseln deine Aufmerksamkeit. Gehst du zu weit – verpasst du es – jetzt – das Haus, das einst das erste und strahlendste auf der rechten Seite war, bei Tag erhellt von der Kalktünche im Sonnenlicht, bei Nacht von Kerzen am Fenster zu allen Stunden – findest du dich an einem Kreisverkehr wieder, überwältigt von den Hinweisschildern und privaten Aushängen – dem Schutt all dieser Touristerei – kehr um. Geh zurück. Es ist da, wo du es zurückgelassen hast, ganz gleich, ob sich die Erde gedreht hat. [[Weiter auf diesem Pfad.->Written on the last day of July: part 1]] [[Mit Annie auf den Spuren von Dorothy.->Lines written on 26 September]] [[Mit Dorothy spazieren gehen.->Floating Island]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/13a_-spaziergang-zum-ruschhaus.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Am letzten Tag im Juli geschrieben, der mit mehr Sonnenschein begann, als die Wetter-App angekündigt hatte. Bei meinem Aufbruch lag der UV-Index laut App bei 1, als ich wieder zurückkam bei 3. Zum Glück hatte ich mich trotzdem mit Sonnenschutz eingecremt. Die Brombeer-Ausbeute war außergewöhnlich reich.'' //von Anneke Lubkowitz// (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[I]] Anleitung zur Ent-Ortung //Stoß deinen Scheit drei Spannen in den Sand. // Modern gesagt: Pinne die virtuelle Nadel deiner Vorstellungskraft auf N 51°59‘8.084‘‘ (Grad Breite) und O 7°33‘4.2097‘‘ (Grad Länge). Lass dich durch die Karte fallen wie eine Google-Streetview-Figur. Vergewissere dich: Es ist der 31. Juli 2024. Du bist in Europa. In Deutschland. In Nordrhein-Westfalen. In Münster. Du stehst vor einem ortstypischen Fahrradladen in einem Wohngebiet am Stadtrand. Dein Ziel ist das Rüschhaus. Der Online-Kartendienst auf deinem Handy, der von den Leuten, die ihn entwickelt haben, nicht mit einem Sinn für Schönheit ausgestattet wurde, will dich auf direktem Weg dorthin schicken, immer an der Straße, am vielbefahrenen Rüschhausweg, entlang, 2,95 km, 45 Minuten. Du aber gehst lieber einen Umweg, schlägst Haken, folgst der Einladung der Wege zu mäandern. Du bist ohnehin zu spät, da kommt es auf die halbe Stunde auch nicht mehr an. Ganze 176 Jahre bist du zu spät, um genau zu sein, für ein Treffen mit Annette von Droste-Hülshoff. Es ist auch nicht deine Schuld: Droste, wie du sie nennst, hat selbst oft gesagt, dass sie zu früh geboren wurde, als sie im Januar 1797 auf Burg Hülshoff, einen kurzen Spaziergang vom Rüschhaus entfernt, als Tochter einer katholischen Adelsfamilie zur Welt kam. Und sie hatte recht, denkst du: Viele ihrer Zeitgenoss:innen konnten mit ihren Texten nichts anfangen. Ihre Gedichte und Kurzprosa waren zu modern, und die Welt und die Menschen würden noch ein paar Jahrzehnte brauchen, um ihren Vorsprung aufzuholen. Heute kennt sie in Deutschland fast jedes Schulkind. Im Rüschhaus, nach dem die Straße hier benannt ist, hat Droste einen Großteil ihres Erwachsenenlebens gelebt – und geschrieben. Während du der Straße auf dem Gehweg folgst, denkst du also an Droste, zu deren erinnerungswürdigeren Eigenheiten es gehörte, undamenhaft gut zu Fuß zu sein. Adelige, besonders aber adelige Frauen, wie Droste eine war, ließen sich damals eigentlich nur in Kutschen herumfahren, allein schon weil das in Zeiten matschiger Wege die einzige Möglichkeit war, mit sauberen Kleidern ans Ziel zu kommen. Und in dieser Gegend hier, dem Münsterland, waren die Wege besonders matschig; sie sind es, wie du weißt, bis heute. Im Gegensatz zu ihren Standesgenossinnen war Droste stolz darauf, an guten Tagen zu Fuß vom Rüschhaus aus nach Münster und wieder zurück zu gehen, womit sie immerhin auf rund 15 Kilometer, vermutlich noch mehr, kam. Wie sie nach so einem Gewaltmarsch aussah, interessierte sie eher wenig. Du denkst: Nun ja, als Freifräulein musste sie ihre Klamotten auch nicht selbst waschen. Trotzdem verlässt du ihr zu Ehren den festen Untergrund von Straße und Gehweg und schlägst dich in die Büsche, das heißt, du biegst vor einer großen Hecke vom Rüschhausweg nach links in einen unbefestigten Fußweg ein. Mit einem Mal ist die wohlgeordnete Welt der Vorstadt mit parkenden Autos, Vorgärten, Backsteinfassaden und weißen Gardinen verschwunden, und du läufst an einer Schafsweide vorbei. Einige alte Apfel- und Birnbäumen stehen hier, die voll mit Früchten hängen. Die Schafsherde, die hier zu Hause ist und auf dem Online-Kartendienst einen mit fünf Sternen bewerteten Eintrag hat, ist heute allerdings ausgeflogen. Unter deinen Füßen knirscht der Kies, über deinem Kopf zwitschern zaghaft einige Vögel. Laut Wetter-App soll der Tag heiß und drückend werden, aber so früh am Morgen hat die Luft noch eine angenehme Kühle. Hinter der Schafsweide beginnt ein kleines undurchdringliches Stück Wildnis am Ufer eines schmalen Bachs, der eigentlich immer zu wenig Wasser führt. Wo der Bach in das Hainbuchenwäldchen fließt, hältst du dich rechts und weichst dabei einer Pfütze aus. Und schon hallen deine Schritte dumpf auf der kleinen Holzbrücke wider, die über den Bach führt. Du folgst dem Weg im Schatten von Holunderbüschen und Mirabellen- und Pflaumenbäumen über eine kleine Wiese. Die Früchte sind reif und duften, aber sie hängen zu hoch, du kommst nicht dran. Eine Joggerin überholt dich, du folgst ihr, vorbei am Fußballfeld zur Linken und dann über die Straße. Du magst, wie sich der Blick auf den Park öffnet. Noch gehört der große Spielplatz den Elstern und Krähen; es sind weit und breit keine Kinder zu sehen. Im hohen Gras des Regenwasserauffangbeckens zu deiner Rechten zirpen die Grillen. Alle, die hier wohnen, nennen die Anlage „Grüner Finger“, so steht es auch in der Karte auf deinem Handy. Die langgezogene Grünfläche, hast du im Internet gelesen, ist nicht nur zur Erholung da, sondern soll die Stadt auch klimaresilient machen. Als grüne Schneise durchs Wohngebiet sorgt sie im Sommer für gemäßigtere Temperaturen. Bei Starkregen verhindern Versickerungsflächen und Auffangbecken Überschwemmungen und dienen als Wasserspeicher. Es fällt dir heute zum ersten Mal auf: das Bild des „Grünen Fingers“, das du ein bisschen seltsam, um nicht zu sagen gruselig findest, kommt auch in einem Gedicht von Droste vor. Das Gedicht ist ebenfalls, wie es für Droste typisch ist, wie du inzwischen weißt, eher düster. Es beginnt mit dem Vers //Wie sind meine Finger so grün//. Darin geht es um eine Person, die sich in Gedanken verloren hat und plötzlich sieht, dass ihre Hände ganz grün sind, weil sie, ohne es zu merken, Blumen gepflückt und zerrissen hat. Die Blumenpflückerin kommt sich mit einem Mal wie eine Mörderin vor. Dir kommt der Einfall, dass die grünen Finger ein Sinnbild dafür sind, wie der Mensch achtlos die Natur zerstört, während der Grüne Finger des Parks ein Versuch ist, die Folgen dieser Zerstörung wieder auszugleichen. Du folgst den Windungen des Spazierwegs durch den Park und musst dich immer wieder daran erinnern, dass Droste sich in erster Linie als gläubige Katholikin für das Verhältnis von Mensch und Schöpfung interessierte. Aber sie war auch begeisterte Naturaliensammlerin. Mit dem Eifer der Naturwissenschaftlerin, die sie in einer Zeit, in der die Universitäten für Frauen geschlossen waren, offiziell noch nicht sein durfte, klopfte sie selbst in Steinbrüchen Fossilien aus dem Fels, suchte und bestimmte seltene Mineralien, Vogeleier und Pflanzen. Du bist immer ein bisschen eingeschüchtert von den Fachbegriffen und Fußnoten in ihren Texten, die ihr beeindruckendes botanisches Wissen offenbaren. Noch in ihren eigenen Gedichten ging sie botanisieren, erläuterte, dass //Trifolium, Dreiblatt,// meint, //Menianthes trifoliata. L. Biberklee. Eine Wasserpflanze, die nur in sehr tiefem Wasser wächst, mit schöner aber sehr vergänglicher Blüthe.// Eigenartigerweise wirken die lateinischen Namen in ihren Texten auf dich wie Eigennamen, die die einzelnen Pflanzen zu Akteur:innen, ja zu Hauptfiguren machen. Du fragst dich, ob du eigentlich die Namen der Pflanzen kennst, die um dich herum wachsen. Dir fallen ein paar gemeinsprachliche Namen ein, die botanischen Bezeichnungen musst du nachschlagen. In deinen Ohren macht der fremde Klang des Lateinischen das Vertraute zu etwas Geheimnisvollen, Unbekannten. Die Brennnessel hier am Wegrand heißt //Urtica dioica//, was, wie du findest, auch der Name einer Superheldin aus einem Marvel-Comic sein könnte. Dein Lieblingsgras, das dort hinten auf dem Bolzplatz so besonders schön blüht, dass du am liebsten mit der Hand darüber streichen möchtest, weil sich genau so Wolken am Abendhimmel anfühlen müssen, ist das Rote Straußgras, //Agrostis capillaries//. Ein anderes Gras, die Rasenschmiele, heißt //Deschampsia cespitosa//, als hätte es eine Karriere als italienische Operndiva hinter sich. Die Schmiele kommt als //Schmehle// in mehreren Gedichten von Droste vor, sich für so vieles interessierte, über das die meisten Menschen im Alltag einfach hinwegsahen. Wie die Frau mit Rollschuhen dort vorne auf dem Basketballplatz, die zur Musik auf ihren Kopfhörern tanzt, denkst du, lebte sie in ihrer eigenen Welt. Dir fällt ein, dass auch das Rüschhaus, dein Ziel, nach einer grasähnlichen Pflanze benannt ist: „Rüsche“ nannte man im westfälischen Dialekt dieser Region die Binse, die bis heute gut in der sumpfigen Umgebung des Hauses wächst. [[Weiter auf diesem Pfad.->Written on the last day of July: prompt 1]] [[Einen Text von Droste über Pflanzen lesen.->My bouquet]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/14a_-spaziergang-zum-ruschhaus.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[II]] Um in den hinteren Teil des Parks zu gelangen, der am Ortsrand endet, musst du hinter einem Beachvolleyballfeld erneut eine Straße überqueren. Auf der anderen Straßenseite steht ein Mann in gelber Warnweste. Du versuchst zu erkennen, was er mit dem seltsamen teleskopartigen Gerät in der Hand an den Bäumen macht. Beim Näherkommen siehst du es: Er ist dabei, alle Bäume des Parks mit einem Täfelchen und einer Nummer zu versehen. Was darüber wohl die lokalen Romantiker:innen denken, die abends unter der vermutlich ebenfalls nummerierten Eiche sitzen, wo der Park endet und die Felder beginnen? Du jedenfalls lässt die Eiche links liegen und folgst für eine Weile der Straße, die den Stadtrand markiert. Du magst den weiten Himmel zu deiner Linken, die Maisfelder und Strommasten, das Grillenzirpen. Du kannst die Autobahn hören, die sich am Ende der Felder hinter der Böschung verbirgt. Schließlich folgst du der Straße nach links, in die von hohen Hecken und Einfamilienhäusern gesäumte Straße, die an einem weiteren Spielplatz vorbeiführt. Am Straßenrand entdeckst du einen Brombeerstrauch, //Rubus// sect. //Rubus//, mit besonders großen Beeren. Du pflückst ein paar Früchte und lässt dir ihre mürbe Süße auf der Zunge zergehen. Nein, beruhigst du dein schlechtes Gewissen, verboten ist das nicht. Auch wenn hier überall Hecken und Zäune sind, gehört das Gebüsch am Wegrand niemanden. Die Straße, die du nun entlanggehst, hat einen ungewöhnlichen Namen. Sie heißt „Mergelberg“, wie das Gegenstück zu einem von Drostes bekanntesten Gedichten, //Die Mergelgrube//. Du hast erst durch Droste gelernt, dass Mergel ein besonderes kalkhaltiges Sedimentgestein ist, das man früher dafür brauchte, die sauren Böden trockengelegter Moore für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Durch den Abbau entstanden Gruben, die Gesteinsschichten aus unterschiedlichen Erdzeitaltern sichtbar machten. Gerade hier im Münsterland, das einmal der Boden eines urzeitlichen Meeres war, fand man an solchen Orten zahlreiche Fossilien. Drostes Gedicht beschreibt den Besuch einer Grube, in der ein Hobby-Geologe den versteinerten Abdruck einer urzeitlichen Medusenart findet. Es beginnt mit der Zeile //Stoß deinen Scheit drei Spannen in den Sand// und ist eine fantastische Reise in die Tiefenzeit, die dem staunenden Betrachter erst eine Welt vor dem Menschen und dann eine Welt nach dem Menschen vor Augen führt. Am Ende hat das von Schwindel übermannte lyrische Ich das Gefühl, selbst ein Fossil zu sein, das von seiner Umgebung überlebt wurde. //Es ist gewiß, die alte Welt ist hin, / Ich Petrefakt, ein Mammuthsknochen drinn!// Wo die Straße mit dem seltsamen Namen endet, geht es noch einmal nach links, Richtung Wald. Du versuchst dir vorzustellen, wie es hier aussah, als noch Moore und Heiden das Landschaftsbild prägten. Droste setzte diesen Stücken sich selbst überlassener Natur mit ihrem Gedichtzyklus //Heidebilder// ein Denkmal. Dazu gehört auch ihr bekanntestes Gedicht, die Schauerballade //Der Knabe im Moor//. Du musstest es in der Schule auswendig lernen. //O schaurig ist’s übers Moor zu gehen// – die Gedichtzeile wirst du vermutlich nie wieder vergessen. Du tauchst ein in das eher schummrige als schaurige grüne Dämmerlicht des Waldes. Einzelne Lichtstrahlen fallen durch die sanft schwankenden Kronen der Buchen. Diese verwunschene Welt aus Grün gibt dir das Gefühl, noch viel weiter in der Zeit zurückgereist zu sein, dir ist, als würdest du mit verlangsamten Bewegungen wirklich am Boden eines urzeitlichen Meeres entlangwandern. [[Weiter auf diesem Pfad.->Written on the last day of July: prompt 2]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/15-_-spaziergang-zum-ruschhaus.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> (align:"<==")+(box:"=========XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX=====================")[(align:"<==")[III]] Schon verwandelt sich der Weg unter deinen Füßen wieder von Asphalt in Morast, wird der Wald um dich herum lichter. Am Waldrand angekommen tauchst du, das lauter werdende Rauschen der Autobahn im Ohr, langsam durch die Zeiten wieder auf: noch ein Brombeer-Snack und zwei Linksbiegungen und dann bist du wieder im Hier und Jetzt mit seinen Wohnhäusern, Gartenzäunen und einer ausgedehnten Kleingartenanlage. Am Ende der Kleingartenanlage folgst du dem Kiesweg nach rechts, wo du nach dem großen Schlenker durchs Grüne wieder auf den vielbefahrenen Rüschhausweg triffst. Am Ortsausgangsschild überquerst du die Straße und biegst in die asphaltierte Abzweigung, die nach rechts an einzelnen Häusern und Höfen vorbeiführt. Der Weg schlängelt sich an einem goldenen Haferfeld, einer Baustelle und ein paar Schafen vorbei. Hier brennt dir die Sonne auf den Kopf. Auf der baumlosen Strecke gibt es keinen Schatten; erst wieder an der Abzweigung nach links zur Fußgängerbrücke. Unter Bäumen geht es einige Meter bergauf, dann stehst du auf der Brücke und kannst zusehen, wie die Autos unter deinen Füßen aneinander vorbei rasen. Das ohrenbetäubende Donnern der Autobahn, das die Brücke zum Vibrieren bringt, erinnert dich an irgendwas, aber was? Es fällt dir wieder ein: die Turbulenzen, mit denen in Science-Fiction-Filmen das Eindringen eines Raumschiffs in die Atmosphäre eines Planeten dargestellt wird. Fühlt sich so eine Zeitreise an? Auf der anderen Seite der Brücke angelangt, dämpfen die Bäume das Tosen, lassen es langsam abschwellen. Es begleitet dich auf den letzten hundert Metern von der Brücke hinunter zum Rüschhaus. Der Weg wird von Kastanien und Pappeln gesäumt. Hinter einer Wegbiegung geben die Bäume den Blick frei auf die stattlichen roten Backsteinmauern des Rüschhauses. Ein Wassergraben umschließt das barocke Landhaus und den dazugehörigen Garten mit seinen geometrischen Buchsbaumhecken und den alten Obstbäumen, macht die Anlage zu einer einsamen Insel. Von der Auffahrt zum Hof aus betrachtet sieht das Rüschhaus mit den großen Torflügeln und dem Schopfwalmdach ein bisschen wie eine Bauernscheune aus – wären da nicht die kunstvoll geschwungenen barocken Linien und Sandsteinelemente in der Fassade. Im Gegensatz dazu strahlt die gartenseitige Hausfront unverkennbar das Selbstbewusstsein eines herrschaftlichen Landhauses aus, mit einer Freitreppe und großen Fenstern. Hier, in dem Haus mit den zwei Gesichtern, lebte Droste, unverheiratet und kinderlos, mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, einigen Dienstbot:innen und den Hoftieren. Die Zimmer, die sie bewohnte, nannte sie ihr Schneckenhäuschen. Hierhin zog sie sich zurück, wenn sie schrieb oder wenn sie sich außerstande fühlte, das Haus zu verlassen, weil sie gerade //Kopfweh, vorzüglich im Hinterkopf, morgens gelind, nachmittags stärker, abends oft sehr heftig, Kollern im Leibe, Schmerz in der linken Brust// oder //Große Schwermut// plagten, womit nur vier von 53 Symptomen genannt sind, die sie 1829 in einem Brief an ihren Arzt auflistet. Welche Krankheit oder welche Krankheiten es waren, die diese Symptome verursachten, ist bis heute unklar. Dabei nehmen die Diagnoseversuche kein Ende, von chronischer Tuberkulose über eine angeborene Schilddrüsenerkrankung bis hin zum in den Augen ihrer Zeit für eine unkonventionelle Frau unvermeidlichen Nervenleiden. Fest steht, dass Krankheit als veränderter Bewusstseinszustand ein wiederkehrendes Thema in ihren Texten ist, ebenso wie eine gewisse Morbidität in Kombination mit einem besonders schwarzen Humor. In ihrem Arbeitszimmer mit seiner grün gestreiften Biedermeiertapete, die entfernt an Seegras erinnert, soll Droste oft sitzend oder liegend (//man kann es nennen, wie man will//) ihre Gäste empfangen haben. Hier, auf dem schwarzen Kanapee, schrieb sie und hier unternahm sie, wenn ihr gesundheitlicher Zustand keine Spaziergänge zuließ, in ihrer Vorstellungskraft Zimmerreisen. Droste, die Frau mit dem zweiten Gesicht, träumte sich in die Alpen, nach Italien und sogar, wie es damals in Europa in Mode war, in den sogenannten Orient. In diesen fernen Welten war möglich, was in der Welt, in der sie lebte, unmöglich war. Es überrascht dich nicht, dass in ihren Texten neben zahlreichen Spukgestalten und Gespenstern auch Frauen vorkommen, die Dichter, Gelehrte, Soldaten und Abenteurer sind – und Frauen, die Frau begehren. Du denkst daran, wie sich das, was man sieht, verändert, wenn man die Brille abnimmt oder sich ein Fernglas vor das Auge hält. Genau so fragt Droste in ihren Gedichten und Erzählungen immer wieder, was das ist, Wahrheit und Wirklichkeit. Oder vielmehr wessen Version der Geschichte als solche bezeichnet wird. Droste starb 1848 nicht hier, sondern 600 Kilometer entfernt in ihrer zweiten, ihrer Fernweh-Heimat, Meersburg am Bodensee. Es war dort und nicht hier, wo sie die meisten ihrer //Heidebilder// über die Landschaft rund um das Rüschhaus schrieb. Was du siehst, wenn du näher und näher herantrittst an das Rüschhaus mit seinem verschnörkelten, schneckenförmig verschlungenen Sandsteinschmuck? Mit Drostes kurzsichtigen Augen kannst du die im Sandstein erhaltenen Schneckenhäuschen und Schalen erkennen, die zu den Meeresschnecken, Muscheln, Ammoniten und Seeigeln gehören, die vor Millionen von Jahren das Meer bevölkerten, auf dessen Grund du immer noch stehst. Was du hörst? Das Rauschen der Autobahn, wie der Druck von Wasser auf deinen Ohren. Was du fühlst? Das fast unmerkliche Wackeln eines losen Pflastersteins unter deinen Füßen, ein Flimmern im Zwerchfell. //Stoß deinen Scheit drei Spannen in den Sand …// [[Weiter auf diesem Pfad.->Lines written (rather say begun) on the afternoon of Wednesday 21st August]] [[Zusammen mit Polly Dorothy verfolgen.->The Way to Town End]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/30_de_restlessness-prompt.mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Stell dir dein Herz als Erdklumpen vor. Erforsche die Pflanzen, die daraus wachsen. [[Weiter auf diesem Pfad.->Excursion up Scawfell Pike]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/32_de_excursion-up-scawfell-pike_prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Finde den höchsten Punkt in deiner Nähe. Erklimme ihn, zu Fuß oder in Gedanken. Scheitere daran, die Aussicht zu beschreiben. [[Weiter auf diesem Pfad.->Email Droste to Dorothy]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/27_de_in-the-grass-prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Leg dich hin. Streck dich aus. Schau hinauf. Halluziniere. [[Weiter auf diesem Pfad.->As I lay down on the grass]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/19_de_annie_from-the-instructions-for-a-walk.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Zeilen niedergeschrieben (oder eher begonnen) am 21. August, einem Mittwochnachmittag. Einer der ersten ruhigen Tage seit Beginn des Festivals. Das Auftauchen eines gesprächigen Nachbarn ließ mich an der Tür meine Schritte beschleunigen. Die Brombeeren waren verlockend, doch sauer. Es war -- '' //von Annie Rutherford, übersetzt von Lale Diklitaş// Ein kühler Windtag. Ein Den-Mantel-Fest-Zuziehen- und Hätte-Ich-Doch-Einen-Schal-Mitgenommen-Tag. Ein Tag, an dem man sich vorstellen kann, mit dem Wind Fangen zu spielen. Der Apfelbaum trägt dieses Jahr kaum Früchte: drei Äpfel kauern sich an einem Ast aneinander, alle leuchtend rot, dem größten fehlt ein mundgerechtes Stück. Es beginnt zu regnen, bedrückt, geduldig, als wüsste das Wetter, dass das von ihm nun einmal erwartet würde. Die Bäume wirken dennoch durstig. Doch schau hin, da ist er: unser Leuchtturm, heute eindringlich weiß vor dem Himmel, und das Meer, höher als ich es lange gesehen habe, und bewegter. Eine leuchtend weiße Plastiktüte, die sich als Qualle ausgibt. Am Geländer der Mole hängt jetzt ein neues Vorhängeschloss (S Herz J 18/08/2024). Nicht unbedingt die gleiche Symbolik wie eine Brücke. Der Wind hat sogar die Vögel verschreckt. Keine akrobatischen Seeschwalben, keine Schwärme von Eiderenten, nur die eigenwillige Silbermöwe, zwei zurückgelassene schwarze Leggings und, unerwartet inmitten des Gestrüpps, das verblüffende Orange von Ringelblumen. [[Weiter auf diesem Pfad.->Thoughts on my sickbed]] [[Zusammen mit Droste in Gedanken spazieren gehen.->Letter to Schlüter]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/10-_de-_-auf-meinem-krankenbett.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Gedanken im Krankenbett (Frühling 1832)'' //von Dorothy Wordsworth, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu// Und sind die Reste meines Seins Beraubt des Frühlings lichter Zeit? Und hallte nicht sein erster Ton In meines Herzens Saiten wider? Ach! sprich nicht so — verborg’nes Leben, Das ruht in diesem müden Leib, Bereichert wurd‘s durch traute Gaben, Die unverlangt, unaufgefordert kamen Mit freud‘gem Herz in Jugendtagen, Als neu die Jahreszeit gebor’n, Empfing ich das Scharbockskraut, frisch erblüht, Das leuchtete auf dem moos’gen Grund; Mit wachem Blick ging ich entlang, Sucht’ was mir bekannt und //un//bekannt, — Die Primel, Fackel auf felsiger Burg, Der stille Schmetterling öffnet die Flügel, Das Veilchen, verraten durch lautlosen Atem, Die Narzisse tanzt im sanften Wind, Die singende Drossel auf nacktem Ast, Hoch über knospenden Bäumen thront. Vom heim’schen Herdfeuer losgelöst, Der Natur treue Gefährten, Den Munt’ren, den Stillen, den Schwätzern, den Stummen— Allen galt unser Mitgefühl. Doch nie in jener sorglosen Zeit, Als der Frühling in Fels, Feld oder Laube, Bloß ein Quell irdischer Hoffnung war, Der Früchte & //prächtige // Blüte versprach. Nein! damals fühlt’ ich nie die Wonne, Die je //dem// gleichgekommen, Das durch die Frühlingsluft getragen, Erreicht‘ mein Krankenbett. Als liebe Freunde Gaben brachten, Erste Blumen, frisch gepflückt, Aus Winkeln nah bei unserm Haus, Orten, denen ich gern gedenk‘. Mit etwas Schwermut war’s vollbracht, Ungefordert, ungefragt, Doch Glück bracht’s meinem //verborg’nen// Leben, Dem Verstand, nun unverborgen. Da spürte ich ungeahnte Kraft, Die Schwäche, Mattheit, Schmerz bezwang; Sie trug mich auf den Gartenpfad, Ich zog durch die Hügel erneut; — Nicht mehr gefangen im einsamen Raum //Sah// ich die grünen Ufer des Wye, Gedachte deines weisen Worts, Bard’, Bruder, Freund aus Kinderzeit! Braucht’ weder Kraft noch mich bewegen, Nicht einmal die Atemluft; — Die schönsten Landschaften mir erschienen; In Erinnerung war ich dort. [[Weiter auf diesem Pfad.->Thoughts on my sickbed prompt]] [[Mit Anneke einen Vorrat an Ferne sammeln.->Lines written on 24th September]] [[Mit Annie aus dem Fenster schauen.->Lines written in the evening of Thursday 22nd August]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/35_thoughts-on-my-sickbed_prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Denke an eine Lieblingserinnerung. Nähre dich von ihr. [[Weiter auf diesem Pfad.->Gardens of the bodymind part 1]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/24a_-de-_-gardens-of-the-body-mind_part1.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Gärten des Körper-Geistes'' Dorothy Wordsworth erkrankte in fortgeschrittenem Alter und konnte ihr Zimmer nur selten verlassen. Sie liebte Pflanzen, Tiere und Vögel und war am glücklichsten, wenn sie auf ihrem Rollstuhl Zeit im Garten verbrachte. Konnte sie nicht draußen sein, fand sie Wege, den Garten in ihr Zimmer zu bringen – wortwörtlich in Blumentöpfen und in Rotkehlchen, die über ihrem Bett nisteten – und metaphorisch durch ihr Schreiben. Die Pflanzen und Blumen, die sie von ihrem Zimmer aus beobachten kann, bedeuten ihr immer mehr. In ihr Tagebuch schreibt sie über einen Bergahorn, den sie von ihrem Bett aus sieht: „Es gibt einen rundköpfigen Besen am Ahorn und einen einsamen, fast waagrechten Ast. Nichts davon würde ich, wie ich in meinem Bett liege, für 20 Pfund hergeben“. (14. Juni 1834) Dorothy schrieb eine Reihe von Gedichten, die sie „Krankenbett-Tröstungen“ nannte – das berühmteste davon „Gedanken im Krankenbett“, verfasst im Frühjahr 1832, als sie noch überhaupt nicht in den Garten konnte. Es verbindet ihre Sehnsucht nach draußen mit ihrer Freude, die Pflanzen hineinzubringen. Im Gedicht beschreibt sie, dass sie nicht auf ihren Körper angewiesen ist, um sich zu bewegen, da sie das auch in ihren Gedanken tun kann. Es beginnt mit den Blumen, die in ihr Zimmer gebracht werden, führt weiter in den Garten des Hauses, das sie bewohnt, dann zu den nahegelegenen Hügeln, und schließlich zum meilenweit entfernten Fluss Wye, die alle in ihrem Zimmer verschmelzen. Das Verfassen des Gedichtes wird zu einem Mittel, jenes Glück zu erhalten, das ihr die Blumen geben – ein wenig so, als würde man ein Foto schießen oder Blumen pressen. [[Weiter auf diesem Pfad.->Gardens of the bodymind part2]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/24b_-de-_-gardens-of-the-body-mind_part2.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Gestalte deinen eigenen'' Denke zunächst an den Raum, in dem du am meisten Zeit verbringst oder dich am stärksten eingeengt fühlst. Wenn du diesen Raum in einen vollkommenen Garten verwandeln wolltest, was würdest du hineinbringen? Du kannst dir auch einen anderen idealen Raum vorstellen, wenn dir die Idee eines Gartens nicht zusagt – wähle deinen Lieblingsort aus, oder einen, zu dem du dich hingezogen fühlst – es kann jede Art von Raum sein, in dem du deine Zeit verbringen möchtest. Welche entfernten Dinge, Orte und Menschen würdest du mit hineinnehmen? Was vermisst du? Was gibt dir Trost und Freude? Füge es hinzu. Gibt es ein Objekt, das als Portal oder Traktorstrahl wirkt und die anderen nach sich zieht, wie es die Blumen für Dorothy tun? Lass deine Fantasie verrückt spielen – es ist dein ganz persönlicher Garten des Körper-Geistes – du kannst alles hineinbringen, was du möchtest. Es muss in keiner Weise ‚realistisch‘ sein, es muss dir nur etwas bedeuten. Denk daran, auch dich selbst in den Raum einzufügen – wie fühlt es sich an, da zu sein? Was bieten dir die Dinge, die du darin aufgenommen hast? Was bietest du ihnen? [[Weiter auf diesem Pfad.->Lines written in the evening of Thursday 22nd August]] [[Lust, mehr zu schreiben? Einen weiteren Prompt lesen.->A walk at a distance]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/20-_-de-_-garten-des-korpergeistes_annies-antwort.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Zeilen, geschrieben am Donnerstagabend, 22. August, im dritten Sommer seit Beginn meiner Krankheit. An diesem Nachmittag meldete ich mich bei der Arbeit krank, und in meinen Ohren: ein Rauschen.'' //von Annie Rutherford, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu// Wir teilen unsre Ahorne, Dorothy, ich lese meine Jahreszeiten an meinen ab. Heute ist er prächtig, hält seine blassrosa Flügel bereit, überragt in meinem Fenster die Chili-Pflanze, die Blätter voller Spinnweben. Ich will ihn haben, und die gegabelten Schweife der Mauersegler, die niemals landen, und einen Sonnenstrahl, und einen blau durchzogenen Himmel, und den Singsang der Füchse, und das Murmeln einer Freundin, die kommt, ohne darum gebeten zu werden. [[Weiter auf diesem Pfad.->Lines written on 24th September]] [[Einen Moment lang mit Polly ausruhen.->As I lay down on the grass]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/11-_-zeilen-geschrieben-am-24.-september-1.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Zeilen geschrieben am 24. September, in der gestohlenen Stunde zwischen der Heimkehr aus dem Büro und dem Einbruch der Dunkelheit. Der Tag hatte sich, zwischen Regenschauern, unnatürlich warm angefühlt. Gleichzeitig verriet der Geruch von verrottenden Blättern und Äpfeln, der kühle Windzug, seine wahre Loyalität.'' //von Anneke Lubkowitz// Bald, sagt die Melancholie, wirst du wieder Gefangene deiner Wohnung sein und die grüne Welt vermissen. Das Wasser wird in endlosen Strömen vom Himmel stürzen, die Wolkendecke vorm Fenster so tief, dass du nur noch mit eingezogenem Kopf herumschleichst, und die Dunkelheit am Morgen und am Abend wird die Stunden, über die du frei verfügen kannst, verputzen wie Gäste die kostenlosen Schnittchen bei einer Ausstellungseröffnung. Du wirst die Blätterkrone des Kirschbaums vor deinem Fenster vergessen und ihr Rascheln im Wind, den Gesang der Vögel und das Gefühl der brennenden Sonne auf deiner Haut. Du wirst kalte Füße haben, eine laufende Nase und diese Kopfschmerzen, die du bekommst, wenn sich die Verspannungen in deinem Rücken nicht mehr lösen, weil du dich zu wenig bewegst. Du wirst das Gefühl haben, nicht mehr atmen zu können in deinem kleinen Zimmer, weil du nicht mehr vor die Tür kommst, oder nur im Licht der Straßenlaternen, das die Welt so viel kleiner macht. Hast du Vorkehrungen getroffen? Hast du die Blätter des Salbeistrauchs aus dem Garten in Sträußen zum Trocknen aufgehängt, das Sonnenlicht, in Äpfeln, Kirschen und Himbeeren gelagert, eingekocht und tiefgefroren? Ein rot verfärbtes Ahornblatt zwischen die Seiten deines Taschenkalenders geschoben, um das Datum zu markieren, an dem die Tage wieder länger werden? Hast du ein Stück Schiefer vom hohen Gipfel mit der berauschenden Aussicht mitgenommen und aufs Fensterbrett gelegt? Ein Stück Rinde von den Lärchen im fernen, sonnenbeschienenen Tal? Hast du ein Fläschchen mit Zirben-Öl ins Regal gestellt, für den äußersten Notfall? Hast du einen Vorrat an Ferne gesammelt? [[Weiter auf diesem Pfad.->Letter to Schlüter]] [[Mit Dorothy an die schönsten Landschaften denken.->Thoughts on my sickbed]] [[Einen Text von Droste über das Gefühl, eingeschränkt zu sein, lesen.->From the Tower]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/3-_-virtueller-spaziergang.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Brief an Christoph B. Schlüter'' //von Annette von Droste-Hülshoff// Eppishausen, den 22ten OCTOBRE (1835) Hätte ich Ihnen früher schreiben können, theuerster meiner Freunde, ich hätte es gethan, — aber grade Ihnen kann ich nicht zu jeder Stunde schreiben, und Sie dürfen sich immerhin für Etwas halten, wenn ich sage, für Sie ist mir noch keine Stunde passend gewesen, — ich habe mich indessen mit allerley umher geschlagen, viel Ausflüge in die Gegend, viel Besuche aus dem Hause, und viele ins’s Haus, — abwechselnd den anmuthigen Gast und die erfreute dienstfertige Wirthin gemacht, aus dem Geräusch in Abspannung, aus der Abspannung wieder in die Zerstreuung, — glauben Sie mir, es gehört was dazu, bis man Jedem sein Recht widerfahren lassen, und alles PLAISIR ausgestanden hat, wozu man PRAEDESTINIRT worden, – aber jetzt bin ich, so Gott will, in’s Standquartier eingerückt, und wahrlich das Plätzchen ist nicht übel, – namentlich das, was ich in diesen Augenblicke einnehme — wollen Sie es kennen? — Es ist das Fenster eines alterthümlichen Gebäudes, am Berge, aber nicht gar hoch, die Kirchthurmspitze des Dorfes drunten könnte uns den Wein aus dem Keller stehlen, wäre sie nicht so christlich erzogen, wer weiß was geschah — also — das Dorf grade unter dem Fenster, — fast unmittelbar daran stoßend ein Zweytes, dann ein Drittes, Viertes — bis zu einem Siebenten, – Alle so nah, daß ich die Häuser zähle, (Versteht sich, mit der LORGNETTE) und unsre gute alte Burg drinn, wie das kleine Wien in seinen großen Vorstädten, SANS COMPARAISON — mitten durch’s Thal eine CHAUSSEE, auf der es ärger rappelt und klappert als auf der besten in ganz Westphalen (…). [[Weiter auf diesem Pfad.->Letter to Schlüter prompt]] [[Einen Brief von der nicht weniger fleißigen Briefeschreiberin Dorothy lesen.->Letter to Jane Pollard]] [[Einen fiktionalen „Brief“ von Droste an Dorothy lesen.->Email Droste to Dorothy]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/28_de_letter-to-schluter-prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Erzähl uns von deinem Lieblingsfenster. [[Weiter auf diesem Pfad.->A walk at a distance]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/12-_-prompt-brief-an-schuler.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Spaziergang aus der Ferne'' Annette von Droste-Hülshoff war von frühester Kindheit an extrem kurzsichtig. Ihrem Freund Levin Schücking zufolge konnte sie die Gesichter von Menschen, die wenige Schritte entfernt waren, nur ganz verschwommen erkennen. Droste selbst erwähnt in ihren Briefen und auch ihren literarischen Texten immer wieder Sehhilfen: Eine sogenannte Lorgnette zum Beispiel, eine Art Opernglas, das aussieht, wie eine bügellose Brille. Mit einem seitlich angebrachten Griff hielt man sie sich vor die Augen. In Drostes Besitz befand sich auch ein Fernrohr, mit dem sie häufig auf einer Bank vor ihrem Haus saß und wie der gestrandete Robinson Crusoe nach Besuch Ausschau hielt. Das Spiel zwischen dem Nahen und dem Fernen, dem Sichtbaren und Unsichtbaren oder vielmehr die Frage, wer was sieht, nimmt in nahezu allen ihren Texten eine entscheidende Rolle ein. In einem Brief an ihren erblindeten Freund Christoph Bernhard Schlüter nimmt sie ihn auf einen virtuellen Spaziergang mit, indem sie mit der Lorgnette aus dem Fenster schaut und die Wege beschreibt, die sie auf Spaziergängen zurückgelegt hat – und ergänzt die übrige Strecke mit ihrer Erinnerung. An anderer Stelle berichtet sie über ein weiteres Leiden, das allerdings kein physisches ist: „mein Plagedämon (…) heißt ‚Sehnsucht in die Ferne‘“. Stell dir vor, du hast ein Fernrohr mit magischen Fähigkeiten, das um die Ecke schauen und jeden Ort der Welt in die Nähe rücken kann. Beschreibe einen weit entfernten Ort, an dem du einmal warst, als würdest du ihn durch dieses Fernrohr betrachten und eine befreundete Person mit auf einen virtuellen Spaziergang nehmen. Beziehe möglichst viele Sinneseindrücke und Details ein. Wie heißt der Ort? Gibt es in deiner Umgebung viele Gebäude und andere von Menschen errichtete Strukturen oder ist die Umgebung eher sich selbst überlassen? Was befindet sich in deiner Nähe, was im Hintergrund? Welche Farben und Formen fallen dir auf? Sind andere Menschen oder Tiere in der Nähe oder bist du allein? Ist es warm oder kalt? Was macht den Ort besonders, und was für ein Gefühl gibt es dir, hier zu sein? Was kannst du hören, riechen und schmecken? [[Weiter auf diesem Pfad.->Lines written on 27 September]] [[Inspiriert? Einen weiteren Prompt anschauen.->Gardens of the bodymind part 1]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/21-_-de-schluter_-prompt-antwort-annie.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Zeilen, geschrieben am 27. September. Es ist kalt, aber der Himmel ist klar und hinten im grünen Garten umspielt der Wind die Wäsche, obwohl die Tage jetzt kürzer sind und die ersten Blätter sich braun färben.'' //von Annie Rutherford, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu// Was man über Neuruppin wissen muss, ist, dass hier immer Sommer ist – und ich meine so //richtig// Sommer: Strahlend-blauer-Himmel-, Im-See-schwimm-, Beeren-aus-dem-Garten-ess-Sommer. Wenn du die Steinstufen in den Garten hinuntersteigst, schlägt dir die Hitze wie eine Welle entgegen. Es ist ein Haus wie aus einem Bilderbuch: rote Ziegel, gelber Anstrich und blaue Fenster, mit einem Garten, wie Kinder ihn sich erträumen – die wuchernden Kletterpflanzen, das Trampolin, die wilde Natur hinter dem Garten. Wenn du um das Haus herum und durch das blaue Tor gehst (es hat die gleiche Farbe wie die Fenster), kommst du an einem Stapel gehacktem Brennholz vorbei, bereit für den Winter – der niemals kommt. Wir sind hier am Stadtrand, wenn wir also nach rechts biegen und die Straße mit den Lebkuchenhäuschen entlanglaufen, erreichen wir schließlich einen sandigen Weg – und da endet auch schon der Ort. Auf der linken Seite erstreckt sich ein perfektes Feld, auf dem irgendeine perfekte Saat – ist es Mais? – wächst und auf der rechten Seite ist ein Gewirr aus Büschen und Bäumen und Wildblumen zu sehen. Doch wir gehen erst einmal weiter, über den von Bäumen gesäumten Weg, unsere Schuhe staubbedeckt. Ein Stückchen weiter entdecken wir eine Lücke im Zaun und wenden uns nach rechts, betreten das alte Anwesen, eine perfekte Mischung aus Obstgarten und Blumenwiese. Die Zeit in diesem Park verhält sich eigenartig, steht still, krümmt und windet sich. Wie in Trance laufen wir Wege aus gemähtem Gras entlang, durch das Grün und Gold, das verrottende Obst, auf das die Hündin sich stürzen würde, durch das Weiß und Gold und Rosa namenloser Blumen. Nimm deine Kopfhörer ab und lausche. Hörst du? Den ewigen Gesang der Grillen, das tiefe Summen der Bienen, Vogelgezwitscher. Ich übertreibe nicht. Klar, aus der Ferne dringt vielleicht das Geräusch einer zuschlagenden Autotür zu uns oder das Bellen eines aufgeregten Hundes, doch nichts davon erreicht uns so richtig durch die schwere Hitze des Sommers. Stattdessen hören wir doch tatsächlich – kein Spaß! – einen Kuckuck und eine Nachtigall, als wären wir mitten in den gereimten Versen irgendeines Shakespeare-Narren gelandet. Schließlich führt uns einer der Pfade in den Wald – so ist es doch immer. Hier fliegen die Mücken tief und wir müssen rennen, Zweige knacken unter unseren Füßen, doch trotzdem sehen wir die verwitterten Grabsteine, das Geflecht glänzender Blätter, das den Boden des Friedhofs bedeckt. Der Wald ist dunkel, aber nicht wirklich tief und bald sind wir wieder draußen, der Sonnenschein bildet einen strahlenden Kontrast zu den aufgedunsenen Sommermücken. Sieh nur, am Wegesrand wachsen Blumen und schau: Vor uns sind wieder die Häuschen zu sehen. [[Weiter auf diesem Pfad.->Letter to Jane Pollard]] [[Zu viel Sonne? Zuflucht im Herbst finden.->Lines written on 24th September]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/9-_-de_wordsworth_letter-30.mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Ein Brief von Dorothy Wordsworth an --'' Fräulein Jane Pollard Halifax Yorkshire Bei Caxton //Übersetzt von Lale Diklitaş// (align:"==>")[Forncett, den 16. Juni, Sonntagmorgen (1793)] Die letzten drei, vier Tage habe ich mir sehnlichst einen Brief von dir gewünscht, meine liebe Freundin, oder vielmehr (verurteile mich nicht als unvernünftigste aller Frauen) einen //erwartet//. Vergib mir, meine liebe Jane (…), ich brauche keine zusätzliche Versicherung deiner wärmenden Liebe für mich. Ich habe keinen Zweifel, dass du mit ebenso großer Vorfreude unserem Wiedersehen entgegenblickst wie ich. Noch habe ich einen Zweifel, dass die Erinnerung unserer vergangenen gemeinschaftlichen Vergnügungen deine Erwartung für jeden einzelnen Moment in der Zukunft nährt, den wir gemeinsam verbringen werden. Ich bin überzeugt, dass du dich für all meine kleinen Pläne der Glückseligkeit begeistern und mir dabei helfen wirst, Szenen der Freude nachzuzeichnen; Freude, die aus der Ausübung gemeinschaftlicher Aufmerksamkeiten in Abgeschiedenheit und ländlicher Ruhe erwächst. Nun, allein, die Wirklichkeit ist weit davon entfernt, meine liebe Freundin, nicht wahr? Wie glücklich wäre ich, könnte ich sicher sein, dass wir diesen Zustand je erreichen werden? Doch ich kann den Tag meiner Glückseligkeit nicht absehen, den Tag, an dem ich wieder in einem Zuhause unter einem Dach mit meinem Bruder vereint sein werde. Alles ist noch trüb und im Dunkeln, und es gibt viel Grund zur Sorge, dass sich mein Plan als bloßer Schatten erweist, als eine Illusion des Glücks. Doch könnten wir je eine lieblichere Beschäftigung finden, als von diesen Dingen zu sprechen? Es ist noch zu früh, einen Gast so trist wie die Verzweiflung aufzunehmen, nur weil die Hoffnung einmal nicht auftaucht. Du weißt, dass mein Herz empfänglicher für die Anregungen der Hoffnung ist als die der Verzweiflung, du weißt, wie sehr ich es liebe, über Bilder des Vergnügens nachzusinnen, und wie sehr es meiner Natur zuwider ist, mich von eingebildeten Ängsten belästigen zu lassen. Du weißt, in welch lebhaften Farben ich mir Szenen zukünftiger Glückseligkeit ausmalen kann. Du erinnerst dich an den Enthusiasmus, der uns antrieb, wie wir in der Hinterküche, auf dem kleinen Acker oder einem anderen unserer Lieblingsplätze unseren kleinen Freudenturm bauten. Ach! Jane, meine liebe Freundin, lass uns diese Tage niemals vergessen; das Schwelgen in diesen Erinnerungen wird uns immer Vergnügen und Heilung geben. Lass uns, wenn wir uns treffen, nicht aufhören, von ihnen zu sprechen, die Ursprünge unserer Freundschaft verfolgen. Du hast nicht die leiseste Ahnung, wie sehr ich danach verlange, von dir zu hören; ich kann es kaum erwarten, von deinen Vorsätzen für die glückliche Zeit zu erfahren, in der wir wiedervereint sein werden. (…) Oh! Wie sehr ich danach verlange, in deine Stube hineinzuplatzen, wie sehr, dich endlich wieder zu umarmen. Glaubst du, du würdest mich erkennen, solltest du zufällig aus dem Fenster blicken, das sich auf der gleichen Seite wie die Feuerstelle befindet? (…) Glaubst du, du würdest hinausstürmen, um deine alte Freundin zu begrüßen? Ja, du würdest Erwartung in meinem Antlitz erkennen, Ungeduld in meinen Schritten, du würdest die arme, arme Dolly wiedererkennen und herbeieilen wie in alten Zeiten, um sie zu begrüßen. (…) Ich höre immer wieder von meinem lieben Bruder William (…). Zuletzt war er im Winter (an Weihnachten) in Forncett. Kaum hatten wir zu Abend gegessen, spazierten wir jeden Tag den Kiesweg entlang, //bis sechs Uhr//, wenn wir eine (immer unwillkommene) Ladung zum Tee erhielten. Nichts außer Regen und Schnee hielt uns davon ab, unsere Runden zu drehen. Oft ging ich hinaus, während der kühnste Nordwind in den Baumwipfeln über unseren Köpfen pfiff. Ich schlenderte jenen Spazierweg im Garten entlang, der mir immer in lieblicher Erinnerung bleiben wird, dank der ausgedehnten Gespräche, die ich dort führte, während mich meines Bruders Arm stützte. Ach, Jane! Mir war kein einziges Mal kalt, als er bei mir war. Was meine Ansichten über Liebe und Freundschaft angeht, bin ich ebenso häretisch wie du; ich bin vollkommen überzeugt, dass mich die romantische Liebe nie enger an einen Menschen binden wird, als mich die Freundschaft an dich bindet, meine erste Freundin, oder an William, meinen ersten und liebsten Freund. Aber nun genug davon – das Thema ist geeigneter zur Diskussion auf einem //Spaziergang bei Mr. Caygill//, als in einem Brief. Wenn du möchtest, nehmen wir es dort wieder auf. Und sollte es kalt und stürmisch sein, so werden wir sehen, ob weibliche Freundschaft nicht stark genug ist, die Windböen ihrer Schärfe zu berauben. (...) Auf Wiedersehen, deine (align:"==>")+(box:"===XXXXXXX")[D. Wordsworth]deren Zuneigung, sei versichert, meine liebe Freundin, eine Abwesenheit von sechs Jahren lediglich zu verstärken und verfestigen vermocht hat Schreibe mir bitte umgehend mit der nächsten Post. Voller Ungeduld bin ich in Erwartung deines Briefes. [[Weiter auf diesem Pfad.->Letter to Jane prompt]] [[Einen Brief von Droste an einen Freund lesen.->Letter to Schlüter]] [[Einen fiktionalen Brief von Dorothy an Droste lesen.->Email Dorothy to Droste]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/17-_-de-_-annie-_-based-on-my-posies.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Zeilen begonnen – ja, wann eigentlich? – 2014, 2015, 2016 in meinem uferlosen Bett und dem gelben würfelförmigen Zimmer, wieder ausgegraben und beklagt im Sommer 2024 und durchgestrichen, überarbeitet und umgedeutet am Mittwoch, den 16. Oktober, während sich die Nacht senkt und Freund:innen, die ich liebe, in einem Haus am anderen Ende der Stadt endlich ihre Umzugskartons auspacken.'' //von Annie Rutherford, übersetzt von Lale Diklitaş (Im Gespräch mit Dorothy Wordsworth, Annette von Droste-Hülshoff, Virginia Woolf)// (align:"==>")[//Jane, meine liebe Freundin, lass uns diese Tage niemals vergessen//] die Fotos lange verloren, doch nicht die Liebe, deren Tiefe ich nicht erahnen konnte damals, meine unbekannte Schwester, Erzählerin von Sagen mit gewesenen und künftigen Blumenkränzen, (align:"==>")[//Lass uns, wenn wir uns treffen, nicht aufhören, von ihnen zu sprechen//] unserer persönlichen Mythologie: eine Eisbahn ohne Eis; die Glückskekse, die uns misslangen, Zettel, die sich verzogen; die violetten Blumen, die ich bestaunte – und du rasch kauftest. (align:"==>")[//ich brauche keine zusätzliche Versicherung deiner wärmenden Liebe für mich//] nur die Narzissen an jenem dunklen Märztag, die aus ihrer Tüte herausströmen wie ein Segen, dein Gesicht geblendet von ihrem Gold und Glanz, deine Hand so warm, und in meiner. (align:"==>")[//Du hast nicht die leiseste Ahnung, wie sehr ich danach verlange, von dir zu hören//] dir Marmeladengläser zu schenken mit Schneeglöckchen, insgeheim neugierig, ein Hauch von Geißblatt, der der Welt ins Ohr flüstert, als es dämmert, (align:"==>")[//Was meine Ansichten über Liebe und Freundschaft angeht, bin ich ebenso häretisch wie du//] Schalen schwimmender Blumen //– Stockrosen, Dahlien, allerlei Arten, die man noch nie zusammen sah – // (align:"==>")[//ich bin vollkommen überzeugt, dass mich die romantische Liebe nie enger an einen Menschen binden wird, als mich die Freundschaft an dich bindet//] oder Monets Teiche der Ruhe in jener schlaflosen Stadt, Blätter, die im Licht erblühen, und nichts dafür erwarten. (align:"==>")[//Schreibe mir bitte umgehend mit der nächsten Post. Voller Ungeduld bin ich in Erwartung deines Briefes//] [[Weiter auf diesem Pfad.->My bouquet]] [[Ein Gedicht von Droste über Nähe lesen.->In the Grass]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/34_de_letter-30-prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Schreibe einen Liebesbrief an eine:n Freund:in. [[Weiter auf diesem Pfad.->Line begun – when was it?]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/4-_-droste_meine-strause.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Meine Sträuße '' //von Annette von Droste-Hülshoff// So oft mir ward eine liebe Stund’ Unterm blauen Himmel im Freien, Da habe ich, zu des Gedenkens Bund, Mir Zeichen geflochten mit Treuen, Einen schlichten Kranz, einen wilden Strauß, Ließ drüber die Seele wallen; Nun stehe ich einsam im stillen Haus, Und sehe die Blätter zerfallen. Vergißmeinnicht mit dem Rosaband — Das waren dämmrige Tage, Als euch entwandte der Freundin Hand Dem Weiher drüben am Haage; Wir schwärmten in wirrer Gefühle Flut, In sechzehnjährigen Schmerzen; Nun schläft sie lange. — Sie war doch gut, Ich liebte sie recht von Herzen! Gar weite Wege hast du gemacht, Camelia, staubige Schöne, In deinem Kelche die Flöte wacht, Trompeten und Cymbelgetöne; Wie zitterten durch das grüne Revier Buntfarbige Lampen und Schleyer! Da brach der zierliche Gärtner mir Den Strauß beim bengalischen Feuer. Dies Alpenröschen nährte mit Schnee Ein eisgrau starrender Riese; Und diese Tange entfischt’ ich der See Aus Muschelgescherbe und Kiese; Es war ein volles, gesegnetes Jahr, Die Trauben hiengen gleich Pfunden, Als aus der Rebe flatterndem Haar Ich diesen Kranz mir gewunden. Und ihr, meine Sträuße von wildem Haid’, Mit lockerm Halme geschlungen, O süße Sonne, o Einsamkeit, Die uns redet mit heimischen Zungen! Ich hab’ sie gepflückt an Tagen so lind, Wenn die goldenen Käferchen spielen, Dann fühlte ich mich meines Landes Kind, Und die fremden Schlacken zerfielen. Und wenn ich grüble an meinem Teich, Im duftigen Moose gestrecket, Wenn aus dem Spiegel mein Antlitz bleich Mit rieselndem Schauer mich necket, Dann lang’ ich sachte, sachte hinab, Und fische die träufelnden Schmehlen; Dort hängen sie, drüben am Fensterstab, Wie arme vertrocknete Seelen. So mochte ich still und heimlich mir Eine Zauberhalle bereiten, Wenn es dämmert dort, und drüben, und hier, Von den Wänden seh ich es gleiten; Eine Fey entschleicht der Camelia sich, Liebesseufzer stöhnet die Rose, Und wie Blutes Adern umschlingen mich Meine Wasserfäden und Moose. [[Weiter auf diesem Pfad.->My bouquet prompt]] [[Annies Antwort auf dieses Gedicht lesen.->Line begun – when was it?]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/29_my-posies_prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Erinnere dich an das letzte Mal, als dir jemand Blumen geschenkt hat. Verleihe der Pflanze eine neue Bedeutung. [[Weiter auf diesem Pfad.->Irregular Verses]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/31_de_irregular-verses-prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Baue ein Luftschloss. Beschreibe es den Menschen, die du liebst. [[Weiter auf diesem Pfad.->From the Tower]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/26_de_from-the-tower-prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Wo wärst du, wenn du nicht hier wärst? [[Weiter auf diesem Pfad.->Floating Island]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/33_de_floating-island_prompt.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Wandere an einem sonnigen Tag umher, zu Fuß oder in Gedanken. Besuche einen Ort, den es nicht mehr gibt. [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]] <audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/1-_-droste_am-thurme.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Am Thurme'' //von Annette von Droste-Hülshoff// Ich steh’ auf hohem Balkone am Thurm, Umstrichen vom schreienden Staare, Und laß’ gleich einer Mänade den Sturm Mir wühlen im flatternden Haare; O wilder Geselle, o toller Fant, Ich möchte dich kräftig umschlingen, Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand Auf Tod und Leben dann ringen! Und drunten seh’ ich am Strand, so frisch Wie spielende Doggen, die Wellen Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch, Und glänzende Flocken schnellen. O, springen möcht’ ich hinein alsbald, Recht in die tobende Meute, Und jagen durch den korallenen Wald Das Wallroß, die lustige Beute! Und drüben seh’ ich ein Wimpel wehn So keck wie eine Standarte, Seh auf und nieder den Kiel sich drehn Von meiner luftigen Warte; O, sitzen möcht’ ich im kämpfenden Schiff, Das Steuerruder ergreifen, Und zischend über das brandende Riff Wie eine Seemöve streifen. Wär ich ein Jäger auf freier Flur, Ein Stück nur von einem Soldaten, Wär ich ein Mann doch mindestens nur, So würde der Himmel mir rathen; Nun muß ich sitzen so fein und klar, Gleich einem artigen Kinde, Und darf nur heimlich lösen mein Haar, Und lassen es flattern im Winde! [[Weiter auf diesem Pfad.->From the tower prompt]] [[Ein anderes Gedicht von Droste zu diesem Thema.->Restlessness]] [[Dorothys Sicht auf, eingeschränkt zu sein (oder eben nicht), lesen.->Thoughts on my sickbed]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/6-_-de_wordsworth-_-irregular-verses.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Unregelmäßige Verse'' //von Dorothy Wordsworth, übersetzt von Lale Diklitaş// So enthüllte ich mein Herz zahm Der Freundin, die zärtlich teilnahm An aller Liebe und Sorge, Allem Glück, das ich drin berge.  —In schlichter Prosa beschrieb ich Die Vision, die kindlich beschlich Mein Gehirn, das tätig und scharf, Weder Sporn noch Zügel bedarf, Sich weidet an der Gegenwart, Sich gleich die //Zukunft// schon ausmalt, Voller Glück, vollkommen und pur, Glück (so glaubten wir), stet und stur, Kluge Vorsicht, alte Sorgen Trübten kein Projekt von Morgen Schlichtheit unser klares Thema Keine Kunst verziert das Schema.— Landhäuschen im sattgrünen Tal, Klare Quelle, des Baches Strahl Garten voller Obst und Blumen, Sonnenplätze, kühle Lauben, Stöcke mit summenden Bienen, Bäume mit würdigen Mienen. Beschützend dieses Feenland Umspannt es sacht ein Hügelband, Nicht streng, oder kahl und bergig, Noch karg an Kraut, duftend würzig, Noch an Felsen, betagtem Hain, Weide den Herden, schuldlos rein, Ihre grünen Spuren rufen Wand’rer zu den höchsten Stufen. Der Fleck, den ich schuf liebevoll, Das Leben neu, die Hoffnung quoll, Mit der Freundin wohnen darin, Ohne anderen Wunsch im Sinn. Doch, ach! Das Landhäuschen verflog Das Bächlein floss nie: —Wie die Vision doch vorbeiging, So sanft, dass sie beständig schien, Sollte schon alsbald eine jede ihres Weges zieh’n. [[Weiter auf diesem Pfad.->Irregular verses prompt]] [[Einen Brief von Dorothy an die Freundin aus dem Gedicht lesen.->Letter to Jane Pollard]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/8-_-de_wordsworth_treibende-insel.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> ''Treibende Insel'' //von Dorothy Wordsworth, übersetzt von Sezgi Ceylanoğlu// Natur und Mächte im Einklang wirken, Auf Himmel, Erd’, Fluss, See und Meer: Sonnenschein, Sturm; Wirbelwind, Bris’ Sind eifrig vereint in einer Pflicht. Einst sah ich wie ein Erdenstück, Das lang’ von Wellen unterhöhlt, Wurd’ losgelöst; — kein Mensch wusst’ //wie//, Doch konnt’ man’s treiben seh’n, gehorchen tat’s dem Wind. Vom moos’gen Ufer konnt’ man’s seh’n, Trieb auf dem See, ganz losgelöst, Trieb mit baumgeschmücktem Haupte, Auf dem zwitschernde Vöglein fröhlich weil’n. Schutz, Nahrung, Zuflucht finden sie dort, Wo Beeren reifen, Blumen blüh’n; Wo Käfer leben — und vergeh’n: Eine lebendige //Welt//; passt in ein Kämmerlein. Und über viele Jahreszeiten Könnt‘ dieses Inselchen besteh‘n, Doch die Natur, uns unbemerkt, Wird wieder nehmen — nicht mehr geben. Vielleicht, wenn Du einst wanderst fort, An einem ruhigen Sonnentag, Kein Ziel, nicht Hoffnung oder Angst, Mag Dein Blick sie suchen— die Insel ist nun nicht mehr. Begraben ist sie im glitzernden See! Nicht aufzufinden ist sie mehr, Doch ihre Reste fortbesteh’n, Um neuen Boden zu ernähr’n. [[Weiter auf diesem Pfad.->Floating island prompt]] [[In den Sommer hineinspazieren.->Lines written on 27 September]] [[Zum Ende des Pfades kommen.->Outro]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/36_de_outro.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> //''Dorothy'': March (…) 30th. — Walked I know not where. March 31st. — Walked. April 1st. — Walked by moonlight.// ''Droste'': Gehen soll nicht genug sein, wie der Doctor sagt, sondern körperliche Anstrengung im Freien (…). //''Dorothy'': (…) head very bad in night—almost stifled above, & below sadly pained. The Medicine relieved me—I have taken a long walk with Wm in the house (…)// ''Droste'': nun habe ich mir die Terrasse vom Fasser rein fegen lassen und spatziere dort täglich einige Stunden (…). //Dorothy: (…) pleased with walking from room to room & feeling & seeing the lovely sunshine (…).// ''Droste'': (…) ich werde von dem, was weiter als 1000 Schritte von meinem Kanapee passiert, nicht mehr gewahr, wie die Heroen im Elisium von der Oberwelt. //''Dorothy'':: A belt of hills must wrap it round Not stern or mountainous, or bare, Nor lacking herbs to scent the air; Nor antient trees, nor scattered rocks, And pastured by the blameless flocks That print their green tracks to invite Our wanderings to the topmost height // ''Droste'': Adieu mein liebstes Herz (…) Adieu, mit immer gleicher Liebe (…) Deine Nette //''Dorothy'': Adieu, my Dear Dear Girl believe me your sincere Friend// // D. Wordsworth//<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/13b_-spaziergang-zum-ruschhaus-prompt-1.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Schau dir die Pflanzen in deiner Nähe genau an. Gibt es eine Pflanze, die dir besonders gefällt? Kannst du sie bestimmen? Wenn du ein Handy mit Internet-Zugang dabei hast, schlag ihren botanischen Namen nach und stell dir vor, in welcher Geschichte oder in welchem Film, sie mit diesem Namen die Hauptrolle spielen könnte. Wenn du kein Handy mit Internet-Zugang hast, denk dir einfach einen botanischen Namen aus. [[Weiter auf diesem Pfad.->Written on the last day of July: part 2]]<audio controls> <source src="https://queerypoints.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/03/14b-_-spaziergang-zum-ruschhaus-prompt-2.mp3" type="audio/mp3" type="audio/mp3"> <source src="testpattern.wav" type="audio/wav"> </audio> Mache einen kurzen Abstecher in die Tiefenzeit. Auf was für einem Untergrund stehen deine Füße und was liegt darunter? Kannst du dir vorstellen, wie es dort, wo du gerade bist, vor hundert, vor zweihundert, vor zwei Millionen Jahren aussah? Findest du Spuren und Hinweise im Hier und Jetzt, die auf die Vergangenheit hinweisen? [[Weiter auf diesem Pfad.->Written on the last day of July: part 3]]